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>From:         Florian Krobb <[log in to unmask]>
>Subject: CFP Galizien im Diskurs
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>Exklusion, Inklusion, Repräsentation: Galizien im Diskurs
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>Tagung vom 8.-10 April 2010
>National University of Ireland Maynooth in 
>Kooperation mit dem SFB 600 Fremdheit und Armut. 
>Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen, 
>Universität Trier
>Veranstalter: Prof. Dr. Florian Krobb, Prof. Dr. Franziska Schößler
>
>In dem hybriden Raum Galiziens (einschließlich 
>Krakaus und der Bukowina) radikalisiert sich im 
>19. Jahrhundert die Auseinandersetzung zwischen 
>Moderne und Orthodoxie, Metropole und 
>Peripherie, Europa und Asien. Galizien erscheint 
>als ein (Kampf-)Feld, in dem eine multiethnische 
>Gesellschaft (Russen, Polen, Ruthenen, Juden und 
>Österreicher) dynamische Kooperationen 
>entwickelt und Ausschlüsse produziert (u.a. auf 
>topographischer, ökonomischer und 
>sittlich-moralischer Ebene). Die Tagung will im 
>Anschluss an das theoretisch-methodische 
>Instrumentarium des SFB 600 diese Inklusionen 
>und Exklusionen (insbesondere der jüdischen 
>Bevölkerung und innerhalb der jüdischen 
>Bevölkerung) sowie die damit verbundenen 
>Repräsentationsformen in literarischen wie 
>nicht-literarischen Texten untersuchen. Die 
>Situation der jüdischen Bevölkerung wäre dabei 
>in einem relationalen Umfeld zu beschreiben, das 
>heißt mit Blick auf die anderen hier vertretenen 
>Ethnien.
>         Am Beispiel der galizischen Juden lassen 
>sich, so unsere Arbeitshypothese, Strategien der 
>Ausschließung in besonders drastischer Weise 
>verfolgen, das heißt auch die Kopplung von 
>exkludierenden Argumentationen. So koinzidiert 
>jüdische Armut gemeinhin mit Fremdheit 
>(Franziska Hütchker), wie die verbreitete 
>Metapher des „Luftmenschen“ zum Ausdruck bringt 
>(Nicolas Berg). Darüber hinaus ist für den 
>Diskurs über Galizien die Differenz zwischen 
>West- und Ostjudentum von zentraler Bedeutung, 
>die für die Alternativen (kultureller und 
>politischer) jüdischer Selbstbehauptung oder 
>Assimilation relevant ist, ebenso für die 
>Selbstbestimmung von westlich orientierten 
>Intellektuellen in Galizien und für die deutsche 
>Mehrheitsgesellschaft, die das Ostjudentum in 
>besonderem Maße als fremd markiert. Das 
>Diskursschema West/Ostjudentum dominiert zudem 
>die galizische Literatur, wenn sich Autoren (wie 
>Karl Emil Franzos) nachdrücklich mit dem 
>Stereotyp des Ostjuden auseinandersetzen. Die 
>literarischen Repräsentationen greifen Klischees 
>auf, unterlaufen sie, intensivieren sie zum Teil 
>aber auch (durch das Bild des unemanzipierten 
>Ghettojuden) und reflektieren das imagologische 
>Verfahren. Die Bemühungen der galizischen 
>Autoren richten sich also, so eine weitere 
>Arbeitshypothese, auf die Revision oder 
>zumindest Modifikation kolportierter Judenbilder 
>des osteuropäischen Raums. Neben den bekannten 
>Autoren könnten die Beiträge unbekanntere (wie 
>Nathan Samuely, Nathan Birnbaum, Leo 
>Herzberg-Fränkel etc.) in den Blick rücken und 
>andere Textsorten berücksichtigen 
>(beispielsweise Reiseberichte). Untersucht 
>werden könnte zudem, auf welche Weise Autoren, 
>die vordergründig in anderen (späteren) 
>Zugehörigkeitsdiskursen verortet sind (u.a. 
>Joseph Roth, Paul Celan, Rose Ausländer), 
>galizische Erfahrungen und entsprechende 
>Metaphern in ihre Texte einarbeiten.
>
>Folgende Themen möchte die Tagung also unter anderem behandeln:
>-       Ausgrenzungsstrategien von Minoritäten 
>(insbesondere Juden) in ihren systemischen 
>Kopplungen (Moral, Ökonomie, Medizin etc.) und 
>relationalen Bezügen;
>-       Verhandlungen von Zugehörigkeits- und 
>Ausgrenzungsfragen in multipolaren 
>Zusammenhängen;
>-       das Verhältnis von Zuschreibungen der 
>Mehrheitsgesellschaft (im Fokus auf Ostjuden) 
>und differenzierenden Umschriften;
>-       den Konflikt zwischen Moderne und 
>Tradition (ebenso Metropolen und Peripherie), 
>der über das Diskursschema von Ost- versus 
>Wertjudentum strukturiert wird;
>-       die performative Herstellung von 
>Raumsemantiken (im Anschluss an den spatial 
>turn).
>
>Die Konferenz ist als Workshop in kleinem Rahmen 
>angelegt. Es ist das Ziel der Veranstalter, 
>etablierte Forscher auf diesem Gebiet mit 
>Nachwuchswissenschaftlern ins Gespräch zu 
>bringen. Vorträge (auf deutsch) sollen auf 30 
>Minuten beschränkt sein, um reichlich Zeit für 
>Diskussionen zu lassen. Eine Veröffentlichung 
>der Beiträge in der Schriftenreihe des SFB 
>Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und 
>Armut von der Antike bis zur Gegenwart (hg. v. 
>Andreas Gestrich, Lutz Raphael, Herbert 
>Uerlings) im Peter Lang-Verlag ist geplant. 
>Tagungsort ist die National University of 
>Ireland Maynooth. Vorschläge für Referate, mit 
>vorläufigem Titel und einem kurzen Abstract, 
>sollten bis zum 30. September 2009 an Professor 
>Florian Krobb (email [log in to unmask]) 
>gesendet werden.
>
>
>Professor Florian Krobb
>Department of German
>National University of Ireland, Maynooth
>Maynooth
>County Kildare
>Republic of Ireland
>Tel. 00353 1 708 3702

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The German Studies Call for Papers List
Editor: Stefani Engelstein
Assistant Editor:  Megan McKinstry
Sponsored by the University of Missouri
Info available at: http://www.missouri.edu/~graswww/resources/gerlistserv.html