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CFP: N.T. – New Testament / Not Testified
(Vienna, December 6-9, 2007, "KCTOS: Knowledge, Creativity and
Transformations of Societies")

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Das Kürzel N.T. ist eines, das sozusagen an sich häretisch ist, so
häretisch, wie es der Text als solcher immer ist, weil er immer zu solcher
Häresie bereit ist. Denn N.T. ist das geläufige Kürzel für das Neue
Testament, aber auch für unbezeugte Aussagen bei Nachrichtenagenturen –
not testified. So ist das Kürzel Verweis auf eine wesentliche
Glaubensgrundlage der Christen, aber in verstörender Art sind die beiden
Lettern auch so sehr zum Inbegriff des Ungewissen geworden, daß heute N.T.
als (Zeitungs-)Ente schon die Falschmeldung bezeichnet, und zwar in
mehreren Sprachen, so im Französischen, wo die canard kaum mehr auf ihren
Ursprung weist. N.T. ist also Gewißheit; aber auch: „haltloses Gerücht,
Falschmeldung” (Brockhaus 2005).

Schon lange gilt im Volksglauben die Ente als Hexentier. Wir aber sehen
langsam, daß N.T. selbst verhext ist, ein springendes Element an so
prekärer Stelle, daß die Ente, vor der sich das Mittelalter fürchten
mochte, dagegen harmlos ist. Zumal dieser Konnex, den das Kürzel stiftet,
kein Zufall ist, kein bloßer Kalauer – sondern etwas exakt trifft. Es ist
dies der Umstand der Geschichtlichkeit und der Verklärung: Jesus als „der
»erhöhte Herr« ist alles – nicht der »historische Jesus«.”(Kardinal König)
Das ist die Absage an die Faktizität, die als eine der Dinge an sich
sozusagen im Akt der unerhörten Auferstehung ja ad absurdum geführt ist,
doch ebenso weist diese Absage doch auf jene „performative Wirkung im Wort
des Glaubens”(Agamben), der also auch Dichtung ist… Und es ist der
Widerstand gegen diese Bewegung, zum einen, weil das der Immanenz
entstammende Wort ja damit eine gewisse Dignität beanspruchen kann – auch
ist die Erhöhung keine, die das Historische negierte, denn das würde die
Heilsbotschaft, sofern sie sich an Endliche, der Geschichte sich noch
verhaftet Wissende wendet, zerstören.

Somit ist N.T. die Chiffre für die dem Glauben immanente Wörtlichkeit, die
ihn bis in die Quelle kontaminiert – dies soll im Panel Anstoß zum
Gespräch von Dichtern wie Künstlern, Literaturwissenschaftern, Philosophen
und Theologen sein.

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Bitte senden Sie Ihr abstract (Umfang: 250 Wörter) bis 1. Juli 2007 an
[log in to unmask]; Beiträge können in deutscher oder englischer
Sprache verfaßt sein.

Weitere Informationen unter:

· http://homepage.univie.ac.at/martin.hainz/KCTOS.htm
· http://homepage.univie.ac.at/martin.hainz/N.T.-Panel---HAINZ.pdf
· http://www.inst.at/kctos/sektionen_g-m/hainz.htm
· http://www.inst.at/kctos/index.htm

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Mag. Dr. Martin A. HAINZ
Universität Wien · Institut für Germanistik
Tel. +43 - (0)1 - 4277 42136
Fax  +43 - (0)1 - 4277 94 21
http://homepage.univie.ac.at/martin.hainz/

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The German Studies Call for Papers List
Editor: Stefani Engelstein
Assistant Editor:  Megan McKinstry
Sponsored by the University of Missouri
Info available at: http://www.missouri.edu/~graswww/resources/gerlistserv.html