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>From:         Helmut Schmitz <[log in to unmask]>
>Subject: CfP: Von der nationalen zur internationalen Literatur
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>Apologies for cross-postings, please circulate to other colleagues/lists.
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>Call for Papers
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>Von der nationalen zur internationalen 
>Literatur. Transkulturelle deutschsprachige 
>Literatur und Kultur im Zeitalter globaler 
>Migration
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>Internationale Konferenz im Gesamteuropäischen Studienwerk, Vlotho,
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>19-22. Juli 2007
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>Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur und 
>-kultur zeichnet sich durch eine bemerkenswerte 
>interkulturelle Vielfalt aus, die Deutschlands 
>wahren Status als Einwanderungsland und die 
>Veränderungen einer globalisierten Kultur 
>reflektiert. Es brauchte etwa zwanzig Jahre bis 
>diese Literatur aus dem Schatten der Wahrnehmung 
>als ‘Gastarbeiterliteratur’ herausgetreten war. 
>Was in den siebziger Jahren als Artikulation von 
>Fremdheitserfahrungen in der Welt der 
>Arbeitsmigration begann, hat längst Anschluss an 
>internationale literarische Formen und Prozesse 
>gefunden, und Schriftsteller/innen der 
>mittlerweile dritten Einwanderergeneration 
>orientieren sich an internationalen 
>literarischen Entwicklungen.
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>Lange Zeit als Stiefkind der 
>Literaturwissenschaft behandelt, erfreut sich 
>die deutschsprachige Migrant/Innenliteratur 
>mittlerweile reger akademischer Aufmerksamkeit 
>und hat sich in den lezten zehn Jahren zu einem 
>schnell wachsenden Zweig besonders einer 
>kulturwissenschaftlich ausgerichteten 
>Germanistik entwickelt. Die amerikanische 
>Literaturwissenschaftlerin Leslie A. Adelson 
>spricht gar von einer ‘türkischen Wende’ in der 
>deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die 
>verschiedenen Termini für eine Literatur von in 
>Deutschland lebenden Schrifstellern anderer 
>ethnischer Herkunft, bzw. Geburtsorte zeugen 
>dabei von der Schwierigkeit, das vielschichtige 
>Phänomen der Migration auf den 
>(literatur)wissenschaftlichen Begriff zu 
>bringen: ‘Ausländerliteratur’, trans- bzw. 
>interkulturelle Literatur, diasporisches 
>Schreiben, transnationale Literatur, 
>MigrantInnenliteratur, Migrationsliteratur, 
>Minderheiten-literatur.
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>Gewandelt hat sich auch das Bild des Migranten, 
>bzw. Postmigranten. Impliziert der in den 80er 
>Jahren aufgekommene Begriff der ‘Gastarbeiter-‘ 
>oder ‘Ausländerliteratur’ eine als defizitär 
>erlebte Migrationserfahrung im Sinne von 
>Entwurzelung und Heimatlosigkeit, betont eine 
>interkulturell ausgerichtete und an den 
>Ergebnissen der poststrukturalistischen und 
>postkolonialen Theorien orientierte Germanistik 
>mittlerweile Migration und das ‘Leben in 
>Zwischenräumen’ als ‘normale Form moderner 
>Existenz’ (Esselborn). Diesem zugrunde liegt ein 
>gewandelter Kulturbegriff, der Kultur nicht mehr 
>als Ausbildung ethnisch homogener Eigenheiten 
>betrachtet, sondern die Hybridität von 
>kulturellen Prozessen unterstreicht. Ein an 
>Gilles Deleuze orientierter Begriff der 
>minoritären Literatur betont die 
>(literatur)historische Konstanz von Migration, 
>hybriden Identitäten und Fremdheitserfahrungen – 
>von Kafka über Emine Sevgi Özdamar und Zafer 
>S¸enocak bis Herta Müller und Libuše Moníková.
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>Über der emphatischen Begrüßung eines durch 
>diese Literatur bekundeten postnationalen 
>Diskurses sollte man jedoch die über Jahrzehnte 
>verfehlte soziale Integration am unteren Ende 
>der Gesellschaft nicht vernachlässigen, die an 
>Stelle hybrider Kulturen  Parallelgesellschaften 
>geschaffen zu haben scheint. Die Einsicht, dass 
>Europa immer schon Migrationsraum gewesen ist 
>und erst der Nationalismus ethnische 
>Homogenisierungsbewegungen geschaffen hat, 
>delegitimiert noch nicht die weiterhin 
>andauernde Wirkungsmächtigkeit ethnischer 
>Narrative. Die Geschichte westeuropäischer 
>Migrationsbewegungen ist eng verwandt mit 
>Kolonialismus und Imperialismus, und ethnische 
>Narrative sind im Zeitalter globaler 
>Arbeitsmigration und Flüchtlingsstöme für 
>erneute Grenzziehungen mobilisierbar – siehe das 
>Stichwort vom ‘Fortress Europe’.
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>            
>
>Zu diesem Gesamtthema suchen wir Beiträge (ca. 
>40 Min) zu einzelnen Texten oder Filmen, aber 
>auch zu themenübergreifenden Fragen von 
>Germanisten und Wissenschaftlern aus 
>angrenzenden Disziplinen. Beiträge sind möglich 
>zu u.a. folgenden Themengebieten:
>
>
>
>·         Ästhetische Formen einer hybriden Literatur
>
>·         Probleme der Repräsentation von Kulturen
>
>·         Selbst- und Fremdwahrnehmung, Ausbildung von Identität(en)
>
>·         Schriftsteller/Innen und Texte in 
>transnationalen und kosmopolitischen Kontexten
>
>·         Geschlechtsspezifische Erfahrungen
>
>·         Heimat, (Aus)Wanderung, Fremde
>
>·         Exil und Vertreibung
>
>·         Grenzüberschreitungen, Übersetzungen
>
>·         Exotismus, Orientalismus, Okzidentalismus
>
>
>
>Die Beiträge sollen in deutscher Sprache 
>gehalten werden. Abstracts von maximal 300 
>Wörtern erbitten wir bis zum 31 Dezember 2006. 
>Rückmeldungen bis Mitte Februar. Ihre Vorschläge 
>richten Sie bitte an folgende Adresse:
>
>
>
>Dr Helmut Schmitz
>
>Dept of German Studies, University of Warwick
>
>Coventry CV4 7AL
>
>England
>
>Email: <mailto:[log in to unmask]>[log in to unmask]
>
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The German Studies Call for Papers List
Editor: Stefani Engelstein
Assistant Editor:  Megan McKinstry
Sponsored by the University of Missouri
Info available at: http://www.missouri.edu/~graswww/resources/gerlistserv.html