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>Das Heidelberg Center for American Studies (HCA)
>18.11.2004-19.11.2004, Heidelberg
>Deadline: 15.06.2004
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>„Geliebter Klassenfeind“ – das schwierige Verhältnis zwischen der DDR
>und den Vereinigten Staaten von Amerika 1949-89
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>Die Vereinigten Staaten von Amerika verkörperten für Deutschland von
>jeher zum einen Modernität, Forschritt und Freiheit, zum anderen aber
>auch kulturelle Dekadenz und Vermassung. In Gesellschaft und Politik der
>Bundesrepublik verbanden sich eben diese Zuschreibungen in den 1950er
>Jahren mit der Dankbarkeit für die Befreiung vom nationalsozialistischen
>Trauma. Zur gleichen Zeit begann die sozialistische
>Propagandamaschinerie der DDR einen ideologischen Anti-Amerikanismus zu
>kultivieren, der aber in der Phase nach der völkerrechtlichen und
>diplomatischen Anerkennung der DDR 1974 in seiner Bedeutung schwand.
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>Unterhalb der staatlichen Ebene bauten jedoch gerade in der Zeit der
>diplomatischen Nichtanerkennung die verschiedensten intellektuellen
>Gruppen in der DDR vielschichtige Beziehungsgeflechte über den Atlantik
>hinweg auf, denen die unterschiedlichsten Leitbilder zugrunde lagen. So
>hielten beispielsweise Naturwissenschaftler besonders in den 1960er
>Jahren einen regen Wissenschaftsaustausch über den Eisernen Vorhang
>hinweg am Leben, der dem ideologiefreien Bedürfnis nach qualifiziertem
>Austausch entsprang. Aber auch im Bereich von Musik, Film und Kunst riss
>der Kontakt zwischen beiden Staaten nie ab.
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>Neben diesen sozialen Beziehungsmustern waren einzelne gesellschaftliche
>Gruppen durch ihre wechselseitige Wahrnehmung verbunden. So fand das
>‚andere Amerika’ – die Protestbewegung gegen Vietnam sowie die schwarze
>Bürgerrechtsbewegung – Sympathisanten in der DDR und der Besuch Angela
>Davis löste in Ostberlin Begeisterungsstürme aus.
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>Eine dritte Form des Verbundenseins bestand in dem einseitigen Fluss
>amerikanischer Trends in die Alltagskultur der DDR. Dabei handelte es
>sich jedoch nicht nur um die simple Begeisterung für Blue Jeans, sondern
>vielmehr um die konsequente Übernahme von Modetrends, Trendsportarten -
>wie Aerobic und Surfing - und Teilbereichen der amerikanischen
>Jugendkultur in der DDR. Die Staatsführung der DDR versuchte diesen
>Trends teilweise durch Verbote, häufiger jedoch um den
>gesellschaftlichen Scheinfrieden zu wahren, durch deren Integration in
>das eigene Gesellschaftssystem zu begegnen.
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>Der geplante Workshop will die unterschiedlichen Verflechtungen zwischen
>der DDR und den USA in den skizzierten Bereichen beleuchten. Ziel ist es
>dabei auch, den methodischen Schritt weg von der ‚klassischen
>Beziehungsgeschichte’, die stark auf staatliche Akteure fixiert war, hin
>zu einer neuen Form der Untersuchung transatlantischer Geschichte zu
>machen. In ihr sollen gegenseitige Wahrnehmungsmuster, gesellschaftliche
>Subgruppen (diesseits und jenseits des Atlantiks), aber auch die Frage
>nach Traditionen deutscher Amerikabilder stärker berücksichtigt werden.
>Darüber hinaus wird eine neue Sicht auf die DDR-Gesellschaft zugrunde
>gelegt, die sich in den letzten Jahren in der Zeitgeschichtsforschung
>durchgesetzt hat. Diese geht nicht mehr allein von einer vollständig
>‚durchherrschten’ Gesellschaft aus, sondern hat den Blick auf
>‚eigensinnige’ Verhaltensweisen und gesellschaftliche Nischen in der
>Diktatur geöffnet.
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>Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung erhalten
>Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, ihre momentanen
>Forschungsprojekte zur Diskussion zu stellen. Dabei wird ein
>Gleichgewicht zwischen Projekten, die konzeptionell dem Umfeld der
>American Studies entstammen, und Arbeiten aus der DDR-Forschung
>angestrebt. Diese Gewichtung zielt drauf ab langfristig ein Netzwerk
>zwischen diesen beiden Forschungsperspektiven aufzubauen, in dessen
>Umfeld die Teilnehmer ihr Wissen über zwei Staaten ergänzen sollen, die
>hinsichtlich ihrer Staatsform, ihrer Gesellschaftsstrukturen und ihrer
>Ideologien nicht unterschiedlicher hätten sein könnten.
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>Wir laden alle Forschenden in diesem Bereich herzlich dazu ein, Ihre
>Vorschläge in Form eines einseitigen Abstracts und einen CV bis zum 15.
>Juni 04 an [log in to unmask] oder Heidelberg Center for American Studies,
>Schillerstr. 4-8, 69115 Heidelberg zu senden. Die Auswahl der Teilnehmer
>wird direkt anschließend erfolgen. Ein detailliertes Programm und
>genauere Informationen zu Veranstaltungsort und Anreise werden in der
>ersten Juliwoche an die Teilnehmer versandt.
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>Uta A. Balbier (Universität Potsdam)Rheinsberger Str. 2
>10115 Berlin
># 030/42105178
>
>Christiane Rösch (Universität Heidelberg/HCA)
>Schillerstr. 4-8
>69115 Heidelberg
># 06221/79634-13
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The German Studies Call for Papers List
Editor: Stefani Engelstein
Assistant Editor:  Karen Eng
Sponsored by the University of Missouri
Info available at: http://www.missouri.edu/~graswww/resources/gerlistserv.html