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>Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart
>06.05.2004-08.05.2004, Institut für Geschichte der Medizin der Robert
>Bosch Stiftung, Straußweg 17, 70184 Stuttgart
>Deadline: 15.01.2004
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>Bilder der Medizin
>23. Stuttgarter Fortbildungsseminar am Institut für Geschichte der
>Medizin der Robert Bosch Stiftung.
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>Vom 6. bis 8. Mai 2003 findet am Institut für Geschichte der Medizin der
>Robert Bosch Stiftung das 23. Stuttgarter Fortbildungsseminar statt. Das
>Thema „Bilder der Medizin“ wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern
>des vorangegangenen Seminars gewählt. Die Gestaltung des Programms und
>die Diskussionsleitung werden von Janina Kehr (Berlin), Mirjam Triendl
>(München), Heiner Fangerau (Düsseldorf), Andreas Schwab (Bern) und
>Philipp Osten (Stuttgart) übernommen.
>Diese Vorbereitungsgruppe wählt in einem anonymisierten Verfahren aus
>den eingegangenen Anmeldungen 15 Teilnehmer/innen aus, die mit einem
>viertelstündigen Vortrag oder mit der Vorbereitung und Leitung einer
>Arbeitsgruppe (in diesem Fall vorzugsweise zu zweit) an dem Seminar
>teilnehmen. Anmeldeformulare mit einem Exposé von max. 15 bis 20 Zeilen,
>aus dem die Fragestellung und methodische Herangehensweise hervorgehen,
>schicken Sie bitte bis zum 15. Januar 2004 an Philipp Osten, Institut
>für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Straußweg 17, D
>70184 Stuttgart ([log in to unmask]). Die Teilnahme an dem
>Fortbildungsseminar wird vom Stuttgarter Institut finanziert, das
>schließt Übernachtungen, gemeinsame Mahlzeiten und Reisekosten einer
>Bahnfahrt 2. Klasse (alternativ eines Flugs mit Frühbucherrabatt oder
>die Fahrt im eigenen PKW) ein.
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>Vorbemerkung
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>Das Stuttgarter Fortbildungsseminar ist weder der Form noch dem Ziel
>nach eine klassische Fachtagung. Im Vordergrund steht die kommunikative
>Auseinandersetzung mit einem gemeinsamen Thema. Daher sind dort weniger
>perfekt ausgearbeitete Präsentationen von Forschungsergebnissen gefragt,
>als vielmehr neue methodische Herangehensweisen, Fragestellungen und
>anspruchsvolle Thesen. Jedem Beitrag soll genügend Zeit zu einer
>produktiven Diskussion gegeben werden, dabei wird die Möglichkeit
>bestehen, sich auf Vorangegangenes zu beziehen und inhaltlich
>aufeinander aufzubauen. Es ist daher erforderlich daß alle
>Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der gesamten Dauer des Seminars
>anwesend sind (Anreisetag ist bereits der 5. Mai 2004). Vier Wochen vor
>der Tagung müssen die Referent/innen ein Thesenpapier für einen Reader
>einreichen, der an alle Teilnehmer/innen zur Vorbereitung versandt
>wird.
>
>Zum Thema
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>„Bilder der Medizin“ finden sich in Lehrbüchern und Illustrierten, in
>Gemäldegalerien ebenso wie auf Festplatten der Forschungsrechner, und
>sie finden sich in den Köpfen von Ärztinnen, Patienten und
>Historikerinnen. Der mehrdeutige Titel eröffnet die Möglichkeit,
>„Bilder“ sowohl als Modelle und Vorstellungen, wie als Zeugnisse und
>Quellen „der Medizin“ zu betrachten.
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>Kaum eine Gruppe von Quellen hat in den vergangenen zehn Jahren eine
>solch steigende Beachtung erfahren wie Bilder. Innerhalb kürzester Zeit
>wurden aus illustrativen Beigaben historischer Publikationen Gegenstände
>zahlreicher Forschungsprojekte und nicht selten erregter Debatten.
>Anders als der in den 1980er Jahren vollzogene linguistic turn
>beschreibt der iconic turn nicht allein eine methodische Wende. Er gilt
>vielmehr als zwangsläufige Reaktion auf die zunehmende Verdrängung des
>Wortes durch das Bild. Faszination und Befremden sind oft die ersten
>Reaktionen auf die Durchsicht großer Bildkonvolute, insbesondere wenn es
>sich dabei um Fotografien medizinischen Inhalts handelt. Als
>Entdämonisierungsprozeß beschrieb es der Kunstwissenschaftler Aby
>Warburg, Bilder und Motive seines Archivs zu Gruppen zusammenzufassen
>und systematisch zu ordnen. Heute bildet das Sammeln, Erfassen und
>Sortieren mit Hilfe von Datendanken häufig den Anfang der historischen
>Aufarbeitung eines Bildbestandes. Doch selbst im Zeitalter
>elektronischer Bildarchive muß das einzelne Bild als eigenständige
>Quelle interpretiert werden. Auch für die Medizingeschichte erschließen
>sich Bilder nicht, wenn sie als reine Illustrationen schriftlicher Texte
>aufgefaßt werden. Eine an sozialhistorischen, ökonomischen und
>politischen Hintergründen orientierte Ikonographie kann sich
>vielfältiger Bezugspunkte bedienen, die von Hagiographie und Numismatik
>bis hin zu Medienanalysen reichen. Das Fortbildungsseminar „Bilder der
>Medizin“ bietet die Gelegenheit, sich epochen-übergreifend mit
>unterschiedlichen Ansätzen auseinanderzusetzen.
>
>Eine ähnliche Konjunktur, wie sie Bildern als sozialhistorischen Quellen
>zukam, erfuhr in der Wissenschaftsgeschichte die Bewertung von
>Modellvorstellungen für die Entwicklung neuer Theorien. Auch diese
>„abstrakten“ Bilder stehen in einem historischen Kontext, der sie
>wiederum selbst zu Metaphern großer Entdeckungen oder hartnäckiger
>Fehlentwicklungen werden läßt. Das Modell von dem genetischen Code als
>einem dechiffrierbaren Computerprogramm führte auf teuere aber
>vergleichsweise harmlose Irrwege. Erbbiologische Schautafeln und
>Stammbäume dagegen bereiteten den ideologischen Hintergrund für
>Selektion und Mord.
>
>Die Popularisierung von medizinischen Inhalten durch Bilder und deren
>Rezeption sind Gegenstand einer dritten Gruppe von Vortragsthemen, die
>unter dem Titel „Bilder der Medizin“ zu fassen sind. Ausstellungen und
>Filme lassen Bilder von Krankheiten und Kranken zu einem Teil medialer
>Kultur werden. Doch bleibt die Autorisierung dieser Darstellungen nicht
>allein der naturwissenschaftlichen Medizin überlassen. Vielmehr ist die
>Medizin selbst Gegenstand öffentlicher Debatten und privater
>Vorstellungen. Ausstellungskataloge oder Berichte zu
>Kunstfehlerskandalen, private Briefe oder statistische Zahlenreihen,
>Arztfilme oder dokumentarische Patientenfotografien, Werbebotschaften
>oder Karikaturen, in all diesen Bereichen bieten „Bilder der Medizin“
>Zeugnisse der Sozial- und Kulturgeschichte.
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>Anregungen
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>Die folgende Übersicht stellt beispielhaft Inhalte vor, zu denen
>Vorträge für das Fortbildungsseminar angeboten werden könnten. Dies soll
>keine Einschränkung auf die genannten Bereiche sein, sondern Anregungen
>bieten.
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>- Bildliche Repräsentationen von medizinischen Berufen und
>Handlungsweisen
>- Bedeutung von Bildern für die Verbreitung medizinischer Theorien
>- Darstellungen von Krankheiten und Kranken und ihre Wirkung auf Kranke
>und Gesellschaft
>- Bildarchive in der Medizin: Kunstkammern, Private Sammlungen,
>Krankenhausarchive, Datenbanken
>- Bildgebende Diagnostik: Befunddokumentationen, Röntgenbilder,
>Computertomogramme und Magnetresonanzen
>- Präsentation von Medizin durch Interessenverbände und
>gesellschaftliche Gruppen
>- Künstlerische Auseinandersetzungen mit Krankheit und Medizin
>- Schematische Visualisierung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge in
>Fachliteratur und populären Medien
>- Medizin in laufenden Bildern: Arztfilme,  Krankenhausserien,
>Aufklärungsfilme und medizinische Propaganda
>- Mediale Repräsentation von humanitären Einsätzen in Kolonien oder
>„Krisenregionen“
>- Ausstellungen, Museen und Kabinette mit Objekten und Darstellungen aus
>der Medizin
>- Medizin in der Werbung
>
>Literatur
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>Diese Liste zeigt einen kleinen Ausschnitt der Forschungsliteratur zum
>Thema. Auch sie ist als Anregung zu verstehen.
>
>Baier, Wolfgang: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie.
>München 1977.
>Belting, Hans: Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem
>Zeitalter der Kunst. München 1990.
>Belting, Hans: Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft.
>München 2001
>Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen
>Reproduzierbarkeit. Frankfurt 1963.
>Boehm, Wolfgang (Hrsg.): Was ist ein Bild? München 1994.
>Braun, Christina von: Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift,
>Bild, Geschlecht. Zürich 2001.
>Bredekamp, Horst: Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte
>der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte. Berlin 1993.
>Bronfen, Elisabeth: Das verknotete Subjekt. Hysterie in der Moderne.
>Berlin 1998.
>Didi-Huberman, Georges: Die Erfindung der Hysterie. München 1997.
>Cartwright, Lisa: Screening the Body. Tracing Medicine's Visual Culture.
>Minneapolis 1995.
>Dinges, Martin; Schlich, Thomas (Hrsg.): Neue Wege in der
>Seuchengeschichte. Stuttgart 1995.
>Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen
>Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv.
>Frankfurt 1980.
>Fox Keller, Evelyn: Das Leben neu Denken. Metaphern der Biologie im 20.
>Jahrhundert. München 1998.
>Gilman, Sander L.: Disease and Representation. Images of Illness from
>Madness to Aids. Ithaca 1988.
>Gilman, Sander L.; Schmölders, Claudia (Hrsg.): Gesichter der Weimarer
>Republik. Eine physiognomische Kulturgeschichte. Köln 2000.
>Ginzburg, Carlo: Spurensicherung. Die Wissenschaft auf der Suche nach
>sich selbst. Berlin 2002.
>Gugerli, David: Soziotechnische Evidenzen. Der «pictorial turn» als
>Chance für die Geschichtswissenschaft, in: Traverse 3, 1999, S. 131-159.
>Hagner, Michael; Rheinberger, Hans-Jörg; Wahrig-Schmidt, Bettina
>(Hrsg.): Objekte, Differenzen und Konjunkturen. Experimentalsysteme im
>historischen Kontext. Berlin 1994.
>Haraway, Donna: Modest Witness@ Second Millennium. Femaleman Meets
>Oncomouse. Feminism and Technoscience. New York 1997.
>Haskell, Francis: Die Geschichte und ihre Bilder. Die Kunst und die
>Deutung der Vergangenheit. München 1995.
>Pickering, Andrew (Hrsg.): Science as Practice and Culture. London 1992.
>Rheinberger, Hans-Jörg; Hagner, Michael; Wahrig-Schmidt, Bettina (Hrsg.):
>Räume des Wissens. Repräsentation, Codierung, Spur. Berlin 1997.
>Sontag, Susan: Über Fotografie. Frankfurt 2003.
>Stafford, Barbara Maria: Body Criticism. Imaging the Unseen in
>Enlightment Art and Medicine. Cambridge/MA 1992.
>Wolf, Herta (Hrsg.): Paradigma Fotografie. Fotokritik am Ende des
>fotografischen Zeitalters. Frankfurt 2002.
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>Philipp Osten
>Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung
>Straußweg 17, 70184 Stuttgart
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>Homepage <www.igm-bosch.de>

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The German Studies Call for Papers List
Editor: Stefani Engelstein
Assistant Editor:  Karen Eng
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