LISTSERV mailing list manager LISTSERV 16.0

Help for GERMAN-CFP-L Archives


GERMAN-CFP-L Archives

GERMAN-CFP-L Archives


GERMAN-CFP-L@PO.MISSOURI.EDU


View:

Message:

[

First

|

Previous

|

Next

|

Last

]

By Topic:

[

First

|

Previous

|

Next

|

Last

]

By Author:

[

First

|

Previous

|

Next

|

Last

]

Font:

Proportional Font

LISTSERV Archives

LISTSERV Archives

GERMAN-CFP-L Home

GERMAN-CFP-L Home

GERMAN-CFP-L  January 2004

GERMAN-CFP-L January 2004

Subject:

CFP: Stadtherrschaft, Policey und die Ordnung einer urbanen Gesellschaft der Vormoderne - Stuttgart-Hohenheim ( 1. Mai; 06/04)

From:

Karen Eng <[log in to unmask]>

Reply-To:

German Studies CFP Forum <[log in to unmask]>

Date:

Mon, 26 Jan 2004 12:22:52 -0600

Content-Type:

text/plain

Parts/Attachments:

Parts/Attachments

text/plain (184 lines)

>
>
>Arbeitskreis "Policey/Polizei im vormodernen Europa"
>Dr. Frank Konersmann, Dr. Josef Pauser, Dr. des. Gerhard Sälter
>10.06.2004-10.06.2004, Stuttgart-Hohenheim
>Deadline: 01.05.2004
>
>Call for papers für die 7. Tagung des Arbeitskreises "Policey/Polizei im
>vormodernen Europa"
>am 10. Juni 2004 in Stuttgart-Hohenheim mit dem Thema
>
>Stadtherrschaft, Policey und die Ordnung
>einer urbanen Gesellschaft der Vormoderne
>
>Die Produktion und Reproduktion von ?Ordnung? in all ihren konkreten
>Ausformungen ist einer der zentralen Gegenstände von Policey, sei es
>durch Legislation, administrative Tätigkeit oder in der Rechtsprechung.
>?Ordnung? wird hierbei als diskursives und flexibles Geflecht von Normen
>unterschiedlicher Provenienz (informelle Übereinkunft, Brauch, Satzung,
>Gesetz) aufgefaßt und nicht als ein starres System gesellschaftlicher
>Beziehungen. Denn in den städtischen Gesellschaften der frühen Neuzeit
>waren verschiedene Akteure mit verschiedenen Interessen und
>unterschiedlichen Machtchancen an der Gestaltung und Aneignung von
>sozialer Ordnung beteiligt. Das macht sie zu einem interessanten
>Gegenstand auch der Forschung zur vormodernen Policey und Polizei. Auf
>der Tagung soll vor allem die sich während des Ancien Régime verändernde
>Rolle der verschiedenen Akteure (Krone bzw. Territorialherr und die
>zentrale Verwaltung, Ratsgremien, Patriziat und städtische Elite, lokale
>Notabeln und die Verwaltung von Stadtvierteln, lokale Gemeinschaften und
>Zünfte, Gerichte verschiedener Ebenen, verschiedene Gruppen der urbanen
>Bevölkerung) zum Gegenstand gemacht.
>
>In einigen Städten besaß der kleine Rat eine weitgehende
>Gesetzgebungskompetenz, die allerdings zumeist in enger Konsultation mit
>verschiedensten Korporationen und sozialen Gruppen in der Stadt
>wahgenommen wurde. In anderen Städten war es vor allem der Landesfürst
>oder die Krone, die für die normativen Vorgaben verantwortlich war.
>Unabhängig davon waren in den meisten Städten Notabeln, Korporationen
>und städtische oder territoriale Beamte an der Vermittlung und
>Ausgestaltung von Herrschaft und sozialer Ordnung beteiligt. Darüber
>hinaus wurden die in Gesetzen und Anordnungen formulierten
>Ordnungsinteressen der Herrschaft von unterschiedlichen
>Bevölkerungsgruppen in der Stadt auf sehr verschiedene Weise angeeignet,
>indem sie bei der Umsetzung Einfluß auf die lokalen Beamten nahmen,
>Normen ignorierten oder bei Konflikten der Herrschaft gezielt
>Informationen zukommen ließen bzw. vorenthielten. Neben der Legislation
>sollte deshalb in den Beiträgen Aneignungsprozessen und informellen
>Ordnungsdiskursen und Ordnungspraktiken große Beachtung geschenkt
>werden.
>
>In diesem gesellschaftlichen Feld aus Herrschaftsinteressen, normativen
>Vorgaben, Vermittlung und Aneignung entstand eine Ordnung, die im Alltag
>immer wieder reproduziert werden mußte und in der die sozialen und
>ökonomischen Beziehungen der Stadtbewohner untereinander und zur
>Herrschaft geregelt wurden. Nicht nur durch Normgebung, auch durch
>administrative Entscheidungen und die Kompetenz zur Konfliktregelung
>bildete Policey ein wesentliches Element in diesem durch Herrschaft und
>verschiedenen Interessen strukturierten sozialen Raum, der näher zu
>bestimmen wäre.
>
>Zugrundegelegt wird hierbei ein Modell urbaner Entwicklung, das die
>Prozesse der Staatsbildung und der Zentralisierung politischer
>Kompetenzen berücksichtigt. Es wird davon auszugehen sein, daß die
>Ordnung in den Städten am Ende des Mittelalters einerseits eher autonom
>festgelegt wurde und daß sie andererseits mehr als in späteren
>Jahrhunderten auf breite Konsensbildung ausgerichtet war, wozu auch die
>auf der städtischen Miliz und den bewaffneten Bürgern beruhende
>Militärverfassung beitrug. Die städtische Obrigkeit und die sie
>dominierenden sozialen Gruppen beschränkten sich weitgehend darauf,
>ihren Status gegen konkurrierende Gruppen und Revolten zu verteidigen
>und ansonsten die in Korporationen und lokalen Gemeinschaften ausgeübte
>soziale Kontrolle zu unterstützen, indem die von ihnen besetzten oder
>eingesetzten Gerichte Devianz bestraften und Konfliktfälle entschieden.
>Soziale Ordnung wurde durch Machtverhält-nisse strukturiert, in sozialen
>Beziehungen vermittelt und durchgesetzt, und durch Gerichte garantiert
>und überwacht.
>
>In der späteren Phase geriet die Herrschaft in den meisten Städten,
>soweit sie nicht selbst das umliegende Territorium zu dominieren
>vermochten und souveränen Status erhielten, unter den zunehmenden
>Einfluß der entstehenden Staatsgebilde. Damit verbunden war ein
>Machtverlust der städtischen Eliten, die den Status autonomer Herrschaft
>verloren und deren Gerichtsgremien in einen Instanzenzug eingebunden
>wurden. Das hatte auch Auswirkungen auf die Art und Weise, in der sich
>die soziale Ordnung in den Städten etabliert hatte. Nicht nur die
>Normgebung wurde zunehmend von zentralen, stadtfernen Institutionen
>ausgeübt, auch das System sozialer Kontrolle veränderte sich, da die
>zentralisierte Herrschaft den städtischen wie den lokalen und
>korporativen Mechanismen gegenseitiger Überwachung und
>Konfliktbereinigung zunehmend mißtraute und die darin formierte Macht,
>die sie als Konkurrenz empfunden wurde, mißtrauisch überwachte. Gegen
>Ende der frühen Neuzeit neigten städtische Obrigkeiten eher dazu,
>soziales Verhalten aktiv zu überwachen, statt passiv auf Klagen zu
>warten, und sie installierten zu diesem Zweck immer größere
>Überwachungsapparate, aus denen sich später die Polizei und Teile der
>staatlichen Innenverwaltung entwickelten. Diese Veränderung markiert den
>Übergang von der Policey, einer auf dem Handeln vieler Instanzen
>beruhende Praxis städtischer Herrschaft, zur Polizei, einer zentral
>gelenkten obrigkeitlichen Behörde mit weitreichenden exekutiven
>Vollmachten.
>
>Erwünscht sind Beiträge zu vier Themenkomplexen:
>
>1. Akteure und Praxis der Policey
>In diesem Themenfeld sollen die Akteure und Instanzen beleuchtet werden,
>die an der Ausübung von Herrschaft und der Reproduktion von sozialer
>Ordnung beteiligt waren. Hier stehen sich einerseits Akteure der
>politischen Zentrale (Krone oder Territorium) und Instanzen städtischer
>Herrschaft gegenüber, deren Verhältnis es zu beleuchten gilt.
>Andererseits ist deren Verhältnis zu Korporationen (Zünfte, Gilden etc.)
>und lokalen Gemeinschaften (Nachbarschaften, Kirchengemeinden etc.), zu
>Bürgern und Einwohnern zu beleuchten. Welchen Einfluß besaßen diese auf
>verschiedenen Ebenen angesiedelten Akteure auf das Entstehen und die
>Tradierung von städtischer Ordnung? Außerdem sollte den Stadtvierteln
>und ihrer Rolle innerhalb der Stadt Aufmerksamkeit geschenkt werden.
>
>2. Instanzen der Normsetzung
>In diesem Themenbereich wird gefragt nach dem Entstehen städtischer
>Normen. Wie wurden obrigkeitliche Normen erlassen und wie wurden sie
>angeeignet? Welche informellen Prozesse der Normbildung gab es und
>welchen Einfluß hatten sie auf die soziale Ordnung in einer Stadt?
>Welche Akteure waren in welcher Weise an der Entstehung von Normen
>beteiligt? Welche Ordnungsdiskurse lassen sich im städtischen Kontext
>fassen und beschreiben? Wie wurden Konflikte zwischen unterschiedlichen
>Normengefügen (informelle Übereinkunft, Brauch, Satzung, Gesetz)
>beseitigt?
>
>3. Formen der Verhaltenskontrolle
>In diesem Bereich soll die Frage nach der Durch- und Umsetzung von
>Normen behandelt werden. Wer überwachte das Verhalten anderer mit
>welchem Interesse? Welche obrigkeitlichen Instanzen waren mit der
>Überwachung beteiligt und mit welcher Zielstellung? Welche informellen
>Strukturen bestanden im Alltag ? neben dem Ehrdiskurs ? zur Durchsetzung
>normgerechten Verhaltens und auf welchen Interessen basierten sie? Wie
>verlief die Kooperation zwischen formalisierten und informellen
>Prozessen der Normdurchsetzung?
>
>4. Entwicklungen, Konstellationen und Netzwerke der Macht
>In diesem Themenkomplex soll es vor allem um die Veränderung urbaner
>Machtstrukturen im Prozeß der Zentralisierung gehen. Gab es Gewinner
>innerhalb der Stadt? Welche waren die Verlierer? Welchen Einfluß hatte
>die zunehmende Machtverlagerung politischer und gerichtlicher
>Kompetenzen hin zu zentralen Instanzen auf das Geflecht familiär und
>korporativ organisierter Machtbeziehungen? Welche Auswirkungen hatte der
>Machtverlust städtischer Eliten und lokaler Notabeln auf ihrer
>Fähigkeit, im Alltag Abhängige und Untergebene zu überwachen und diese
>soziale Kontrolle auch durchsetzungsfähig zu machen?
>
>Einige Literaturhinweise werden auf der Internetseite des Arbeitskreises
>angeboten. Von Interessenten wird bis zum 1. Mai 2004 ein ein- bis
>zweiseitiges Exposé an die untenstehende Adresse oder einen der
>Organisatoren erbeten.
>
>Bis zum 1. Juni sollte von den Beiträgern ein Papier ausgearbeitet und
>an die Tagungsteilnehmer (deren mail-Adressen beizeiten bekanntgegeben
>werden) versendet werden. Diese werden von den Teilnehmern im Vorfeld
>der Tagung gelesen. In der Diskussionsrunde selbst erhalten die
>Referenten Gelegenheit, ihre Thesen in einem maximal fünfminütigen
>Kurzreferat noch einmal als Impuls für die Diskussion zusammenzufassen.
>
>Für den Arbeitskreis
>Gerhard Sälter
>
>------------------------------------------------------------------------
>Das Programm wird Anfang Mai bekanntgegeben.
>
>------------------------------------------------------------------------
>Gerhard Sälter
>Wilsnacker Straße 39
>D-10559 Berlin
>[log in to unmask]
>
>Weitere Informationen zum Arbeitskreis sowie dort unter "7. Treffen"
>weitere Informationen zur Tagung und die Literaturliste.
><http://www.univie.ac.at/policey-ak>

--

*******************
The German Studies Call for Papers List
Editor: Stefani Engelstein
Assistant Editor:  Karen Eng
Sponsored by the University of Missouri
Info available at: http://www.missouri.edu/~graswww/resources/gerlistserv.html

Top of Message | Previous Page | Permalink

Advanced Options


Options

Log In

Log In

Get Password

Get Password


Search Archives

Search Archives


Subscribe or Unsubscribe

Subscribe or Unsubscribe


Archives

May 2020
April 2020
March 2020
February 2020
January 2020
December 2019
November 2019
October 2019
September 2019
August 2019
July 2019
June 2019
May 2019
April 2019
March 2019
February 2019
January 2019
December 2018
November 2018
October 2018
September 2018
August 2018
July 2018
June 2018
May 2018
April 2018
March 2018
February 2018
January 2018
December 2017
November 2017
October 2017
September 2017
August 2017
July 2017
June 2017
May 2017
April 2017
March 2017
February 2017
January 2017
December 2016
November 2016
October 2016
September 2016
August 2016
July 2016
June 2016
May 2016
April 2016
March 2016
February 2016
January 2016
December 2015
November 2015
October 2015
September 2015
August 2015
July 2015
June 2015
May 2015
April 2015
March 2015
February 2015
January 2015
December 2014
November 2014
October 2014
September 2014
August 2014
July 2014
June 2014
May 2014
April 2014
March 2014
February 2014
January 2014
December 2013
November 2013
October 2013
September 2013
August 2013
July 2013
June 2013
May 2013
April 2013
March 2013
February 2013
January 2013
December 2012
November 2012
October 2012
September 2012
August 2012
July 2012
June 2012
May 2012
April 2012
March 2012
February 2012
January 2012
December 2011
November 2011
October 2011
September 2011
August 2011
July 2011
June 2011
May 2011
April 2011
March 2011
February 2011
January 2011
December 2010
November 2010
October 2010
September 2010
August 2010
July 2010
June 2010
May 2010
April 2010
March 2010
February 2010
January 2010
December 2009
November 2009
October 2009
September 2009
August 2009
July 2009
June 2009
May 2009
April 2009
March 2009
February 2009
January 2009
December 2008
November 2008
October 2008
September 2008
August 2008
July 2008
June 2008
May 2008
April 2008
March 2008
February 2008
January 2008
December 2007
November 2007
October 2007
September 2007
August 2007
July 2007
June 2007
May 2007
April 2007
March 2007
February 2007
January 2007
December 2006
November 2006
October 2006
September 2006
August 2006
July 2006
June 2006
May 2006
April 2006
March 2006
February 2006
January 2006
December 2005
November 2005
October 2005
September 2005
August 2005
July 2005
June 2005
May 2005
April 2005
March 2005
February 2005
January 2005
December 2004
November 2004
October 2004
September 2004
August 2004
July 2004
June 2004
May 2004
April 2004
March 2004
February 2004
January 2004
December 2003
November 2003
October 2003
September 2003
August 2003
July 2003
June 2003
May 2003
April 2003
March 2003
February 2003
January 2003
December 2002
November 2002
October 2002
September 2002
August 2002
July 2002

ATOM RSS1 RSS2



PO.MISSOURI.EDU

Secured by F-Secure Anti-Virus CataList Email List Search Powered by the LISTSERV Email List Manager